Sunrise Hiking

Am 19. Oktober hieß es um halb vier Uhr das gemütliche Bett verlassen und warm einpacken. Easy verstand nicht ganz was mich um diese Zeit schon dazu trieb aufzustehen, deshalb legte er sich demonstrativ wieder aufs Bett und schaute mich an, als wolle er mir zeigen was jetzt eigentlich auf der Tagesordnung stand. 

 

Um 10 nach 4 holte uns Pascal ab. Nun ging es ab in Richtung Bürserberg. Dort trafen wir uns am Wanderparkplatz mit unserem Freund Alex. Nachdem wir unsere Beleuchtungen montiert hatten - Easy bekam auch eine Stirnlampe unten an sein Geschirr - starteten wir den Aufstieg. Unser Ziel war die Mondspitze mit 1967 Metern. Zu unserem Glück hat Alex schon einiges an Erfahrung mit Wanderungen vor Sonnenaufgang, denn er hatte einen sehr starken Leuchtstab vorne an seine Jacke gehängt, ohne den wir mit unseren Stirnlampen wohl nur einen Bruchteil des Weges gesehen hätten. Die letzte halbe Stunde des Aufstiegs war am Beschwerlichsten. Ich bin zwar relativ sportlich, habe dort aber schon gemerkt, dass ich schon lange keine Wanderung in steileres Gelände gemacht habe. Easy sprang wie eine kleine Gämse über die Felsen und Baumwurzeln nach oben. Einmal wollte er ein paar Steinchen nachjagen, die sich unter seinen Füßchen im Eiltempo Richtung Tal auf den Weg machten. Innerhalb von Sekunden hielt ich aber mit der Leine am Geschirr dagegen und zog ihn aus seiner luftigen Position zurück auf den Weg. Je näher wir dem Gipfel kamen, desto öfter drehte sich Easy nach mir um - man merkte, dass er solche Wanderungen auch nicht gewohnt war. 

 

Als wir nach zwei Stunden oben angekommen waren stellten wir fest, dass wir noch eine Stunde hatten bis die Sonne aufgehen würde. So zogen wir uns trockene Shirts an, Frühstückten, und genossen die Aussicht auf das Meer an Lichtern im Tal, während der helle Streifen am Horizont immer breiter wurde. Dort auf dem Gipfel ging ein kalter Wind und ließ uns frieren. Um 10 vor 8 war es soweit - die Sonne schob sich langsam über die unregelmäßige Linie der gegenüberliegenden Bergkette und tauchte alles in ein goldig-glänzendes, orange-rotes Licht. Pascal machte einige Fotos von Easy und mir und ich merkte, wie die Temperatur mit jedem Zentimeter, den die Sonne höher stieg, zunahm. 

Nachdem wir noch eine Weile die aufgehende Sonne bestaunt hatten und genossen, dass es nun endlich wärmer wurde, begannen wir wieder zu packen und machten uns an den Abstieg. Auf dem Weg konnten wir uns fast aller Jacken, Kappen und Pullover entledigen, denn die Sonne heizte uns in Kombination mit der Bewegung ordentlich ein. Nach einer Stunde und 50 Minuten waren wir wieder beim Parkplatz angekommen. Easy war auf dem Rückweg im Auto so müde, dass er damit zu Kämpfen hatte, die Augen offen zu halten.

 

Die Wanderung war auf jeden Fall ein phänomenales Erlebnis. Schon die Stille der nackten Natur in der Dunkelheit und auch von dort oben auf die Welt hinunter zu blicken, während sich eine weiterer neuer Tag ankündigt und die Sonne, die sich unerbittlich über die massiven Felsen ihren Weg nach oben bahnt und an Kraft mehr und mehr zunimmt, waren jeden Schritt wert. Ich hoffe, dass wir es weitere Male schaffen werden, solche Wanderungen zu unternehmen.

Sonnenaufgang Mondspitze, Rebecca und Easy
Sonnenaufgang Mondspitze, Rebecca und Easy
Easy by Pascal Hefti
Easy by Pascal Hefti

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